Wer Düsseldorf erkunden möchte, muss nicht bei Königsallee und Altstadt stehen bleiben. Zwischen Gartenkunst und historischer Wassermühle warten Orte, die eine andere Seite der Stadt zeigen. Auch Köln und Bonn bieten abseits ihrer bekannten Wahrzeichen besondere Ziele: einen Felsengarten, alte Festungsanlagen und bemerkenswerte Kirchen. Sechs Vorschläge für Ausflüge mit Geschichte – drei davon direkt in Düsseldorf.
Düsseldorf: Gartenkunst und Industriegeschichte
Japanischer Garten: Ruhe im Nordpark
Der Japanische Garten im Nordpark ist ein Stück japanischer Gartenkunst am Rhein. Die japanische Gemeinschaft und japanische Unternehmen in Düsseldorf stifteten die Anlage 1975 als Zeichen der Verbundenheit. Wasserflächen, Steine, geschnittene Gehölze und bewusst gestaltete Blickachsen prägen das Bild.
Der Garten erschließt sich am besten beim langsamen Rundgang: Wer auf Formen und Details achtet, entdeckt eine sorgfältig komponierte Anlage, die einen Kontrast zum städtischen Alltag bildet. Im Herbst und Winter treten die Strukturen besonders hervor, wenn weniger Laub den Blick auf die Gestaltung verstellt. Der Besuch lässt sich mit einem Spaziergang durch den Nordpark verbinden. Das Aquazoo Löbbecke Museum befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe.
Adresse: Nordpark, Kaiserswerther Straße, 40474 Düsseldorf.
Buscher Mühle: Spuren der Wasserkraft
Die Buscher Mühle an der Nördlichen Düssel erzählt von einer Zeit, in der Wasserkraft für das städtische Wirtschaftsleben wichtig war. Ihre Ursprünge reichen vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damit ist sie ein kulturhistorisches Zeugnis aus Düsseldorfs handwerklicher und industrieller Vergangenheit – eine Seite der Stadt, die im Bild der Einkaufs- und Landeshauptstadt leicht in den Hintergrund gerät.
Wichtig für die Planung: Die Mühle ist kein jederzeit frei zugängliches Museum. Wer sie von innen sehen möchte, sollte die Besichtigungsmöglichkeiten vorab erfragen.
Adresse: Mulvanystraße 15, 40239 Düsseldorf.
Köln: Gärten und Festungsbau
Felsengarten am Fort VI: eine stille Schlucht in Lindenthal
Unweit des Decksteiner Weihers liegt im Kölner Stadtteil Lindenthal ein ungewöhnlicher Landschaftsgarten. Hohe Bäume, künstlich angelegte Felsen und verschlungene Wege geben dem Gelände einen beinahe verwunschenen Charakter. Der Felsengarten entstand im Zuge der Umgestaltung der ehemaligen preußischen Festungsanlage Fort VI. Nachdem Teile der Anlage zurückgebaut worden waren, gestaltete Gartendirektor Fritz Encke das Gelände in den 1920er-Jahren landschaftlich um.
Einzelne bauliche Spuren erinnern noch an die militärische Vergangenheit. Gerade der Gegensatz zwischen Festungsgeschichte, gestalteter Natur und Großstadt macht den Ort reizvoll. Ein Spaziergang lässt sich mit einer Runde um den Decksteiner Weiher verbinden.
Lage: Köln-Lindenthal, nahe Gleueler Straße und Decksteiner Weiher.
Fort X: Festungsmauern und Rosengarten
Am Neusser Wall ist mit Fort X eine historische Kölner Festungsanlage erhalten. Hinter den mächtigen Mauern liegt ein Rosengarten mit Tausenden Rosen. So treffen militärische Architektur und Gartenkultur aufeinander – ein ungewöhnlicher Rahmen für einen Spaziergang und ein markantes Fotomotiv.
Der Rosengarten ist vor allem für die warme Jahreszeit interessant. Saisonale Öffnungszeiten bedeuten, dass Fort X im November kein verlässlich zugängliches Ausflugsziel ist. Wer den Garten besuchen möchte, sollte die Zugangsmöglichkeiten vorab prüfen und den Besuch für Frühjahr oder Sommer vormerken.
Adresse: Neusser Wall 33, 50670 Köln.
Bonn: Mittelalter und Barock entdecken
Doppelkirche Schwarzrheindorf: zwei Ebenen, ein Bauwerk
Die Doppelkirche St. Maria und St. Clemens in Schwarzrheindorf gehört zu den außergewöhnlichen mittelalterlichen Bauwerken der Region. Sie wurde im 12. Jahrhundert errichtet und 1151 geweiht. Ihre Besonderheit sind zwei übereinanderliegende, räumlich miteinander verbundene Kirchenebenen. Romanische Wand- und Gewölbemalereien geben Einblick in die Kunst- und Glaubenswelt des Mittelalters.
Wer die Kirche von innen besichtigen möchte, sollte den Besuch vorher abstimmen. Anschließend bietet sich ein Spaziergang in Richtung Rhein und Siegmündung an.
Adresse: Dixstraße 41, 53225 Bonn.
Kreuzbergkirche: barockes Ensemble und Heilige Stiege
Hoch über Teilen Bonns liegt die Kreuzbergkirche in Endenich. Das barocke Gesamtensemble reicht in die kurfürstliche Zeit zurück. Besonders bekannt ist die Anlage für die Heilige Stiege, die dem Ort eine eigene religiöse und kulturgeschichtliche Bedeutung gibt. Auch die Lage auf dem Kreuzberg macht den Besuch zu einem Ausflug abseits des Trubels der Innenstadt.
Die Heilige Stiege wird traditionell zu Ostern geöffnet. Für andere Gebäudeteile können die Zugangsmöglichkeiten abweichen. Deshalb empfiehlt es sich, vorab zu prüfen, was zum geplanten Zeitpunkt besichtigt werden kann. Der Kreuzberg lässt sich auch als Ziel eines Spaziergangs wählen.
Lage: Stationsweg, Bonn-Endenich.
Vor dem Besuch kurz prüfen
Die sechs Ziele unterscheiden sich darin, wie verlässlich sie zugänglich sind. Bei den Gärten empfiehlt sich insbesondere für Fort X ein Blick auf die saisonalen Zugangsmöglichkeiten. Für die Buscher Mühle und die Kirchen sollte eine Innenbesichtigung vorab abgestimmt werden. So lässt sich der Ausflug passend planen, ohne vor Ort mit verschlossenen Türen rechnen zu müssen.
Die Auswahl zeigt, wie vielfältig ein Ausflug im Rheinland sein kann: In Düsseldorf stehen japanische Gartenkunst und die Geschichte der Wasserkraft nebeneinander. Köln verbindet gestaltete Landschaft mit preußischer Festungsgeschichte, Bonn mittelalterliche Kirchenkunst mit barocker Tradition. Oft reicht ein Abstecher abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten, um eine neue Perspektive auf die Städte zu gewinnen.